Grafikkartenpreise seit 2007: RTX 5090 im Euro-Inflationscheck

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Eine Grafikkarte für mehr als 4.000 Euro – und zum Prüfzeitpunkt nicht einmal lieferbar: Die Preisentwicklung im High-End-Segment hat Dimensionen erreicht, die sich mit der allgemeinen Inflation allein nicht erklären lassen. Ein Blick zurück bis zur GeForce 8800 Ultra zeigt, wie stark sich das obere Ende des Marktes tatsächlich verschoben hat.

Fassungsloser Kunde betrachtet eine High-End-Grafikkarte mit einem Preis von 4.461 Euro
High-End-Grafikkarten erreichen Preise, die sich mit Inflation allein nicht erklären lassen. Bild: KI-generiert.

4.461 Euro für eine RTX 5090: ein extremes Beispiel

Die INNO3D GeForce RTX 5090 X3 OC bei Alternate* wurde am 4. August 2026 mit 4.461 Euro inklusive Mehrwertsteuer geführt. Gleichzeitig war auf der Produktseite der Hinweis zu lesen, dass der Artikel derzeit nicht gekauft werden könne.

Der Betrag ist deshalb kein belastbarer Transaktionspreis. Er zeigt aber, wie weit sich einzelne Händlerpreise und die offizielle Preisempfehlung voneinander entfernen können. Nvidia nennt für die RTX 5090 in Deutschland eine unverbindliche Preisempfehlung von 2.099 Euro. Die gelisteten 4.461 Euro liegen damit 2.362 Euro beziehungsweise rund 113 Prozent über der UVP.

Wichtig: UVP, Händlerpreis und tatsächlich bezahlter Marktpreis sind drei unterschiedliche Größen. Ein nicht lieferbares Angebot sollte nicht als normaler Marktpreis dargestellt werden.

Was kostete High-End früher – inflationsbereinigt?

Für den langfristigen Vergleich nutze ich die dokumentierten US-Einführungspreise als Ausgangspunkt. Sie werden mit dem jeweiligen Jahresdurchschnitt des jährlichen Referenzkurses der Europäischen Zentralbank in Euro umgerechnet und um die zum Start geltende deutsche Mehrwertsteuer ergänzt. Anschließend werden die Werte mit dem deutschen Verbraucherpreisindex von Destatis auf die Euro-Kaufkraft des Jahres 2025 gebracht.

Methodischer Hinweis: Die historischen Euro-Spalten sind einheitlich berechnete Vergleichswerte und keine nachträglich behaupteten deutschen Straßenpreise. Für die RTX 5090 wird die offizielle deutsche UVP von 2.099 Euro verwendet.

Grafikkarte Jahr Euro-Vergleichswert beim Start In Euro von 2025
GeForce 8800 Ultra 2007 ca. 720 € ca. 1.036 €
GeForce GTX 280 2008 ca. 525 € ca. 737 €
GeForce GTX 480 2010 ca. 448 € ca. 620 €
GeForce GTX 580 2010 ca. 448 € ca. 620 €
GeForce GTX 680 2012 ca. 462 € ca. 614 €
GeForce GTX 780 Ti 2013 ca. 626 € ca. 820 €
GeForce GTX 980 Ti 2015 ca. 696 € ca. 898 €
GeForce GTX 1080 Ti 2017 ca. 736 € ca. 931 €
GeForce RTX 2080 Ti 2018 ca. 1.007 € / 1.208 € FE ca. 1.251 € / 1.501 €
GeForce RTX 3090 2020 ca. 1.522 € ca. 1.856 €
GeForce RTX 4090 2022 ca. 1.807 € ca. 1.999 €
GeForce RTX 5090 2025 2.099 € deutsche UVP 2.099 €
Gerundete Vergleichswerte: historische US-Listenpreise zum ECB-Jahreskurs in Euro umgerechnet, zuzüglich deutscher Mehrwertsteuer und mit dem deutschen VPI auf 2025 bereinigt. RTX 5090: deutsche UVP.

Die RTX 5090 ist auch nach der Inflationsbereinigung außergewöhnlich teuer

Die GeForce 8800 Ultra galt bereits 2007 als extremes Prestigeprodukt. Ihr aus der damaligen US-UVP abgeleiteter deutscher Vergleichswert liegt bei rund 720 Euro. Inflationsbereinigt entspricht das ungefähr 1.036 Euro des Jahres 2025. Die deutsche UVP der RTX 5090 beträgt dagegen 2.099 Euro. Damit liegt sie real rund 103 Prozent höher als die bereits sehr teure 8800 Ultra.

Ähnlich deutlich ist der Vergleich mit der GTX 1080 Ti. Ihr umgerechneter deutscher Vergleichswert von etwa 736 Euro entspricht rund 931 Euro in der Kaufkraft von 2025. Die RTX 5090 ist mit 2.099 Euro real etwa 125 Prozent teurer. Der inflationsbereinigte Spitzenpreis hat sich gegenüber diesem Pascal-Flaggschiff damit mehr als verdoppelt.

Die verbreitete Erklärung, aktuelle Grafikkarten wirkten lediglich wegen der allgemeinen Inflation so teuer, greift daher zu kurz.

Der erkennbare Preisbruch begann mit der RTX-20-Serie

Zwischen 2010 und 2017 bewegten sich die inflationsbereinigten Euro-Vergleichswerte der schnellsten regulären GeForce-Gamingkarten meist zwischen etwa 614 und 931 Euro. Es gab Schwankungen, aber keinen dauerhaften Marsch in Richtung 2.000 Euro.

Der deutliche Bruch kam mit der RTX 2080 Ti. Aus den damaligen US-Listenpreisen ergeben sich Euro-Vergleichswerte von rund 1.007 Euro beziehungsweise 1.208 Euro für die Founders Edition. Inflationsbereinigt sind das etwa 1.251 beziehungsweise 1.501 Euro. Damit etablierte sich ein wesentlich höheres Preisniveau für das Gaming-Topmodell.

Mit der RTX 3090 folgte anschließend die xx90-Klasse. Nvidia richtete sie nicht nur an Spieler, sondern auch an Content Creator und Nutzer rechenintensiver Anwendungen. Dadurch ist sie kein vollkommen sauberer Nachfolger früherer Ti-Karten. Gleichzeitig wanderte ein zuvor eher Titan-ähnliches Preisniveau sichtbar in die reguläre GeForce-Produktfamilie.

Technischer Fortschritt rechtfertigt nicht automatisch jeden Preis

Eine RTX 5090 ist technisch selbstverständlich nicht mit einer 8800 Ultra vergleichbar. Sie bietet 32 GB GDDR7-Speicher, moderne Raytracing- und KI-Einheiten sowie Funktionen wie DLSS 4. Der Leistungs- und Funktionszuwachs über fast zwei Jahrzehnte ist enorm.

Fortschritt ist bei Computerhardware jedoch normal. Auch Prozessoren, Arbeitsspeicher und SSDs werden über Generationen leistungsfähiger. Eine neue Architektur allein erklärt deshalb keine dauerhafte Verdopplung des realen Spitzenpreises.

Hinzu kommt, dass ein Teil der beworbenen Leistungssteigerungen heute durch KI-gestützte Rekonstruktion und zusätzlich erzeugte Zwischenbilder entsteht. Diese Verfahren können ein Spiel sichtbar flüssiger machen, sind aber nicht identisch mit einer entsprechend höheren nativ berechneten Bildrate.

AMD Radeon RX 9070 XT: vernünftigere Alternative mit klaren Grenzen

Wer nicht zwingend die maximale Leistung einer RTX 5090 benötigt, sollte auch AMD berücksichtigen. Die Radeon RX 9070 XT ist kein direkter Leistungsersatz für Nvidias Spitzenmodell. Sie gehört eher in das gehobene Performance- beziehungsweise obere Mittelklassesegment und ist für anspruchsvolles 1440p- sowie 4K-Gaming ausgelegt.

Die ASUS Radeon RX 9070 XT PRIME GAMING OC bei Alternate* wurde zum Prüfzeitpunkt für 699 Euro angeboten und war sofort verfügbar. Sie besitzt 16 GB GDDR6-Speicher, unterstützt FSR 4 und bietet gegenüber der RTX 5090 einen wesentlich niedrigeren Einstiegspreis.

Abstriche bleiben insbesondere bei maximaler Raytracing-Leistung, lokalen KI-Anwendungen und absoluter 4K-Spitzenleistung. Wer jedoch das Verhältnis aus Preis, verfügbarer Leistung und realem Spielebedarf stärker gewichtet als den letzten Benchmarkrekord, findet hier eine erheblich bodenständigere Option.

ASUS Radeon RX 9070 XT bei Alternate ansehen*

Was Käufer aus der Preisentwicklung mitnehmen sollten

  • UVP und Händlerpreis immer getrennt betrachten.
  • Nicht lieferbare Angebote sind kein verlässlicher Marktpreis.
  • Die gewünschte Auflösung und Bildrate vor dem Kauf festlegen.
  • Raytracing, KI und produktive Anwendungen realistisch gewichten.
  • Auch AMD sowie ältere Generationen in den Vergleich einbeziehen.
  • Netzteil, Gehäuse und Stromverbrauch in die Gesamtkosten einrechnen.
  • Bei extremen Aufschlägen abwarten statt unter Zeitdruck kaufen.

Fazit: Mit Inflation allein ist der Preisanstieg nicht erklärbar

High-End-Grafikkarten waren nie günstig. Schon die GeForce 8800 Ultra war ein bewusst positioniertes Luxusprodukt. Der inflationsbereinigte Vergleich zeigt trotzdem eine klare Verschiebung: Die Preissteigerung der Spitzenmodelle geht erheblich über die allgemeine Geldentwertung hinaus.

Für professionelle Rendering-, Creator- oder KI-Anwendungen kann sich eine RTX 5090 wirtschaftlich anders rechnen. Für reines Gaming bleibt sie ein schwer zu rechtfertigendes Luxusprodukt. Ein Händlerpreis von mehr als 4.000 Euro verschärft diese Bewertung noch einmal deutlich.

Die Radeon RX 9070 XT ist nicht gleich schnell, zeigt aber, dass anspruchsvolles PC-Gaming nicht automatisch ein vierstelliges Grafikkartenbudget erfordert. Entscheidend ist nicht die teuerste verfügbare Hardware, sondern die Leistung, die zum eigenen Einsatzzweck passt.

Quellen und Methodik

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